wenn sie auch die allergeringste Unpäßlichkeit gefährlicher machen als sie eigentlich ist, damit ihnen ihre getragene Sorge und so vielfältig gehabte Mühe wie auch sehr oft getane Gänge, verschriebene Rezepte und sonstigen mitgeteilten Rat bezahlt werden, sie auch desto mehr gerühmt werden, als hätten sie den Patienten gleichsam von den Toten errettet, daher auch eifrigst Anlaß geben, daß man für ihren Patienten in der Kirche bitte als wie für einen in Todes-Nöten liegenden, für den man den Geistlichen bald rufen soll, um sich auch mit ihrer getanen Prognose zu schützen, falls der Patient wirklich stirbt, als hätte es nach der Beschaffenheit der Krankheit nicht anders werden können,
wenn sie sehen, daß die Krankheit nicht gar zu gefährlich, dem Patienten solche Medikamente verordnen, die weder Schaden noch Nutzen bringen, damit sie denselben nur etliche Wochen aufhalten, und es hernach heißen möge, es sei eine langwierige Krankheit gewesen, welche dem Medicus viele Mühe verursachet,
wenn sie, dem Apotheker zu Gefallen, denen Patienten kostbare Arzneien verordnen, da doch die Krankheit wohl mit geringeren Mitteln ebenso gut hätte können behoben werden,
wenn sie in gleicher Weise gewisse Barbire und Bader an sich haben, welchen sie Aderlassen, Schröpfen und dergleichen nicht nur öfters wieder allen Willen der Patienten zuweisen, sondern wohl gar die Patienten ohne Not dazu treiben, nur damit sie davon einen Vorteil haben,
wenn sie arme Dürftige, von denen sie nicht viel oder keine Belohnungen erwarten, unter nichtigem Vorwand mangelnder Zeit rat- und hilflos lassen,
wenn sie, um sich in die Meinung zu versetzen, als hätten sie sehr viel zu verrichten, entweder die Leute warten oder, wo möglich, einige zusammenkommen lassen, um wohl dennoch sie, ohne sie abzufertigen, von Zeit zu Zeit aufhalten oder gar endlich wiederkommen lassen,
wenn sie die Patienten, um ihrer Gemächlichkeit willen, unter Vorwand von Verhinderung, nicht selber besuchen, sondern junge und unerfahrene Leute, welche sie vielleicht bei sich im Hause haben, hinschicken und nach deren oft irriger Feststellung von der Krankheit Rezepte verschreiben,
wenn sie den Patienten von gewissen Apotheken, mit welchen sie kein Abkommen haben, als nicht viel tüchtigen abraten, und hingegen nur jene empfehlen, von welchen sie hinwieder ihren Genuß hoffen,
wenn sie als Stadtärzte über in den Apotheken befindliche Arzneien, ob wirksam oder nicht, keine genaue Aufsicht haben, sondern denen Apothekern um ihrer Geschenke willen, die sie von ihnen empfangen, bei deren untauglichen, sogar schädlichen Medikamenten durch die Finger sehen,
wenn sie bei einfallenden contagiösen Zeiten sich zwar als Pestärzte verpflichten und bestellen lassen, die armen Kranken aber entweder gar nicht oder sehr unfleißig, unter viel Worten, auch wohl formulierter, selbstiger Unpäßlichkeit wegen, nicht besuchen, folglich die beschworene Pflicht: "Den Armen umsonst", unter Mißbrauch des Rechts abrechnen,
wenn sie sich für Medicos oder Ärzte ausgeben, die sie nicht sind, wenn sie sich vieler arcanen Dinge rühmen und allenthalben ausschreien, was sie für Kuren mit ihren Specificis bereits getan, um sich dadurch einen Namen zu machen,
wenn sie nicht nur eine solche arcana, welche anfangs für eine gewisse Krankheit helfen soll, nachgehend für alle Krankheiten bezeichnen, sie den Leuten aufdrängen, und allerhand kahle und falsche Beschuldigungen gegen vorgebrauchte Medizinen anbringen,
wenn sie bei ihrer Erörterung von Krankheiten den Leuten nach dem Maul schwätzen, obwohl sie oft schon zuvor besser über deren Krankheiten informiert sind,
wenn sie unter allerhand Vorwand, in der Tat aber aus Neid und Mißgunst, auch bei gefährlichen Krankheiten auf keinerlei Weise einen anderen Medicus bei der Behandlung neben sich dulden, auch nicht mit ihm aufrichtig und redlich kommunizieren,
wenn sie sich in Kleidungen kostbar und ungemein proper aufführen, um dadurch ein größeres Ansehen bei ihren Patienten zu gewinnen, wenn sie ein allzu großes Werk und Rühmens von der Uroscopia oder Beschauung des Harns machen und allerlei List anwenden, die Umstände zu erforschen und nachgehend den Patienten oder deren Abgeordneten seltsame Dinge weiß machen wollen, um sich dadurch von dem gemeinen und abergläubischen Volk Zulauf zu verschaffen.
MITTEL DARWIDER:
Daß die Patienten sich nicht jeglichem Medicus, erst recht nicht allerhand unverständigen, ja sogar verdächtigen Leuten anvertrauen, sondern nur solchen ordentlichen Medicis, deren Erfahrenheit, Fleiß und Aufrichtigkeit sie versichert sind.
Daß von hoher Obrigkeit ein ernster Befehl ergehe, daß nicht so unzählig viele Personen aus allerhand Stand sich unterstehen sollten, zum höchsten Schaden der Patienten tätig zu werden.
Daß eine gewisse Verordnung gemacht würde, was die Herren Medici für diesen oder jenen Gang, der Verschreibung eines Rezeptes, wie auch von einer Reise aufs Land, Gerichtlichen und anderen Sektions-Berichten und vielem dergleichen bekommen sollten, damit es denn, falls ihnen jemand freiwillig etwas mehr geben sollte, jedem unverwehrt bliebe.
Daß kein ungraduierter Medicus oder ein Sonstiger zugelassen werde, Kranke zu besuchen und zu kurieren, bevor er von einem Medizinischen Kollegium examiniert und für tüchtig befunden wurde.