
radio
Dr.
W. HANAUER, 1926: RADIOKRANKHEITEN
UND RADIOUNFÄLLE
Daß durch das vielgebrauchte Radio
auch Gesundheitstörungen erzeugt werden
können, beweisen die Erfahrungen der Nervenärzte in ihren Sprechstunden.
Das neue Krankheitsbild wird nach der
Schilderung des Nervenarztes Dr. Kalischer
in Berlin dadurch hervorgerufen, daß durch das Anstrengende und
die unmäßige Anspannung des Radiohörens, den Druck der Kopfhörer,
die einseitige Einstellung eines
Sinnesorgans unter Ausschluß der anderen,
das Nervensystem erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird. Durch
die Sucht nach diesem künstlichen Betäubungsmittel wird allmählich
die gesunde Willens- und Lebenskraft untergraben. Durch die einseitige
Hingabe an die künstliche übertragung und Vermittlung wird die
Empfänglichkeit und Genußfähigkeit für alle natürlichen
Eindrücke und Wirkungen
der Natur, der Kunst und Wissenschaft abgestumpft und verkümmmert.
Die Willenskraft, die gesunde körperliche und geistige Entwicklung
wird gehemmt und durch die übermäßige Benutzung des Radio eine
zweckmäßige Zeiteinteilung und gesellige Lebensführung verhindert.
Derartige Kranke müssen einer Radio-Entziehungskur
unterworfen werden, mit langsamer
und allmählicher Ausschaltung des Radiohörens und gleicher
Aufnahme der alten Gewohnheiten und Tätigkeiten nach einem vorgeschriebenen
Plan, wobei auch andere Organe als das Gehör ihre Berücksichtigung
finden.
Bei manchen übereifrigen Radiohörern
zeigen auch die Ohren eine eigentümliche
Stellungsveränderung, indem die Ohrläppchen sowie die Muscheln
wie festgeklebt dicht am Ohre haften. Auch andere Ohrenkrankheiten
werden werden bei Radioliebhabern beobachtet. Bei längerem
Horchen wird die Muschel klebrig, am Ohrläppchen tritt Schwellung
und Bläschenbildung auf.