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ARCHIVE: KARIKATUREN und Verwandtes
Definition, Geschichte
Karikaturen,
abgeleitet vom lateinischen "caricare", "übertreiben",
sind "verzerrende, übertreibende bildnerische Darstellungen
mit dem Ziele, Personen oder Verhältnisse einseitig zu
charakterisieren, zu kritisieren oder lächerlich zu machen.
Wichtig sind dabei Humor und treffender Witz, die der Karikatur allzu
scharfe Spitzen nehmen." (Der grosse Herder, 1952). Karikaturen
finden sich schon im griechischen und römischen Altertum. In der
altchristlichen Zeit war Satan nebst Sippschaft häufig
Gegenstand von Karikaturen; sie fanden sich auch als architektonische
Darstellungen in Form fratzenhafter Tiere, verhexter Zwittergestalten
mit ungeheueren Mäulern, Tiger-, Affen und Krötenbeinen am
Außenbau gotischer Kathedralen oder an Chorgestühlen. Ein
Vorläufer der uns bekannten Karikaturen war das satirische Epos
"Reineke Vos", ein Esel spielend mit geistlichen Rollen.
Die Erfindung der Buchdruckerkunst und anderer technischer
Vervielfältigungsmittel machte Karikaturen populär: Lucas
Cranach, Tobias Stimmer, Nikolaus Manuel Deutsch und andere
karikierten in Holzschnitten und Kupferstichen mal den Papst, mal die
Reformatoren.
Im 17. Jahrhundert tauchten neben politischen
Karikaturen solche auf, die seinerzeitige Unsitten (Protz, Prunk,
Suff) zum Gegenstand hatten.
Hoher künstlerischer Wert
zeichnet um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Karikaturen des
Engländers Hogarth aus. Hogarth's Zeichnungen entlarven Übel
seiner - und nicht nur seiner - Zeit. Von Hogarths Nachfolgern, von
denen einige als kongenial angesehen werden, seien hier nur genannt:
James Gillray (1757-1815), Thomas Rowlandson (1756-1827), George
Cruikshank (1792-1878), John Leech (1817-1864), George du Maurier,
Charles Keene und die etwas "verträglicheren", also
"harmloseren" Kate Greenaway, Caldecott, Walter Crane.
1841 erschien erstmals "Punch
or the London Charivari". Das Blatt, gefeiert als "das
hervorragendste englische Witzblatt", beispielgebend für
"feste, stilvolle Haltung und echt künstlerische Handhabung
der Karikatur" oder auch als "der Welt bedeutendste
satirische Zeitschrift, ein Stück Weltliteratur und
freiheitlich-progessiver Pressegeschichte" gedieh bis 1992 und
zelebrierte auf stilvolle Weise sein Ableben.

Selbstbewusst:
Mr. Punch, 1841. Bis 1992 ist er kein bisschen gealtert.
GALERIEN Galerie
Punch: "Punch 1933 zu Hitler". In dieser Bildergalerie:
"Punch"-Karikaturen, ausschliesslich aus dem Jahre 1933.
Tatsächlich
ist "Punch" ein einzigartiges Zeiten-Dokument. Stilistisch
vereinte "Punch" vieles, stets Zeitgenössisches, aber
ebenso Parodien auf Vorhergangenes und die vermutete Zukunft.
Zum
Umfeld des "Punch": Im Gründungsjahr 1841 erschienen
Feuerbachs "Wesen des Christentums", Carlyles "Helden
und Heldenverehrung"; Talbot erfand die Negativ-Fotografie, Cook
gründete das erste Reisebüro und hierzulande forderte
Friedrich List die deutsche Zollunion. Was es noch nicht gab:
Freiheit für die Sklaven in Amerika (auch die USA noch nicht),
das Auto, die Eisenbahn, das Fahrrad, das Flugzeug,
Frauenemanzipation, Imperialismus, das Radio und und.
Das
bedeutet: Anhand der Quelle "Punch" lassen sich
Innovationen (und deren Rezeptionen) jeglicher Art
(gesellschaftliche, politische, soziale, technische, internationale
etc.) im Detail nachvollziehen.
Von besonderer Bedeutung
und immer wieder sinnvoll zur Bewertung gegenwärtiger
Phänomene heranziehbar sind sich im "Punch" spiegelnde
Irritationen bei der Verarbeitung von Innovationen.
Galerie:
Karikaturen, überwiegend aus der Reformationszeit
Galerie:
Monster, Fabelwesen

Galerie: Fahrrad und Verwandtes
Galerie
Punch: "Zu Politik und Politikern".


